Isabel Castellví Figuerola
Zwei Familien, zwei Weinregionen, eine Philosophie: klein, familiär, biologisch und mit viel Handwerk. Isabel Castellví Figuerola ist das junge Gesicht der beiden Weingüter Celler de l’Encastell sowie Celler Cal Bessó und vereint Moderne mit Tradition: Während auf dem elterlichen Betrieb im Priorat eher klassische Weine vinifiziert werden, kann sie auf dem noch jungen Weingut Cal Bessó aus dem Vollen schöpfen und sich verwirklichen. Und möchte mit frischen, leichten Weinen ein jüngeres Publikum gewinnen.


Isabel Castellví Figuerola ist 29 Jahre alt und stammt aus einer klassischen Winzerfamilie. Zusammen mit zwei Schwestern ist sie auf dem familieneigenen Weingut Celler de l’Encastell im Priorat aufgewachsen. Nach ihrer Ausbildung und vielen Reisen und Arbeitseinsätzen im Ausland wohnt sie heute im Montsant. 2015 hat ihre Familie zusammen mit der befreundeten Familie Vallès die Bodegas Cal Bessó gegründet. Total bewirtschaften Castellví-Vallès zehn Hektar Reben, vinifizieren jedoch nicht die gesamte Ernte selber, sondern verkaufen einen Teil der Trauben. Ihre jährliche Produktion beläuft sich auf rund 25’000 Flaschen, wobei der Fokus auf der roten Carinyena und der weissen Malvasia liegt.
Oli Fischer hat mit Isabel über die Weinregion Montsant, verschiedene Energielevel und das Zusammenarbeiten mit den Eltern gesprochen.
Isabel im Gespräch
Isabel, du bist in einer Winzerfamilie aufgewachsen. Wann war für dich klar, dass du ebenfalls Winzerin werden möchtest?
Einen genauen Zeitpunkt zu nennen, ist nicht so einfach. Es ist klar, dass mich die Familie und wie ich aufgewachsen bin, beeinflusst hat. Ich wüsste ehrlich gesagt auch gar nicht, was ich sonst hätte machen sollen… Ich wollte schon immer mit Wein arbeiten und gleichzeitig reisen. Die Vorstellung, das ganze Leben am gleichen Ort zu verbringen, fiel mir zunächst jedoch schwer. Aber bei den vielen Reisen, die ich gemacht habe, freute ich mich jedes Mal immer sehr, wieder zurückzukommen. Ein entscheidender Moment war aber sicher im Januar 2021: Damals gab es im Priorat starken Schneefall und das Dach unseres Lagers ging kaputt. Der Entscheid, nochmals in das Weingut zu investieren war massgeblich davon abhängig, ob ich die Arbeiten auf dem Weingut in nächster Generation weiterführe.
Die Region Montsant ist zumindest in der Schweiz nicht so bekannt. Was macht die Region so besonders?
Ich hebe immer gerne drei positive Eigenschaften der Region hervor:
- Grosse Diversität bei Böden, Weinen und Rebsorten – bei uns gibt es alles: Weiss-, Rosé- und Rotweine. Und die sind wiederum alle sehr unterschiedlich.
- Wir haben nicht nur Wein, sondern auch Olivenöl und Früchte (Kirschen, Pfirsiche, Zwetschgen) sowie Getreide, was uns nochmals diverser macht als andere Regionen.
- Die Produktionskosten sind nicht so hoch wie im Priorat, die Qualität ist jedoch auf demselben Niveau. Das macht die Weine generell erschwinglicher.
Und auch bei den Menschen gibt es gegenüber dem Priorat Unterschiede: Im Montsant sind viele junge Leute am Werk, es ist sehr dynamisch und gibt einen regelrechten Generationen-Wechsel. Das Priorat ist eher klassisch und «starrer».
Das Montsant bewegt sich. Es passiert hier einfach mehr.
Hast du auch ausserhalb von Montsant gearbeitet?
Ja, das war mir wichtig. Ich war in Südfrankreich, Chile, Kalifornien und Australien. Ich habe jeweils nach Weingütern gesucht, die so sind wie wir: klein und mit hohem Qualitätsanspruch. In Frankreich lernt man sehr viel, was Weinbautechnik angeht – das sollte meiner Meinung nach eigentlich jeder einmal gemacht haben. Mit der Mentalität dort tat ich mich allerdings etwas schwerer. In Chile und Südamerika habe ich mich richtig verliebt, das war einfach eine tolle Zeit. Australien war hinsichtlich Böden und Rebsorten recht ähnlich wie im Priorat und Montsant. Das war ebenfalls eine besondere Zeit.
Auf Cal Bessó arbeitet ihr mit einer befreundeten Familie zusammen. Wie müssen wir uns das vorstellen? Wie funktioniert das? Gibt’s da auch Schwierigkeiten?
Im Grundsatz gibt es eine klare Aufgabenteilung: Jaume ist für die Reben bei Cal Bessó zuständig, mein Vater Raimon für jene bei Encastell. Ich bin im Keller und mache die Vinifizierung. Zudem bin ich für den Vertrieb verantwortlich und übernehme den Verkauf für den spanischen Markt. So läuft es eigentlich sehr gut. Mit meinem Vater Raimon diskutiere ich zwar viel, und wir sehen manche Dinge unterschiedlich, aber er lässt mich machen. Auch die Zusammenarbeit mit Jaume läuft sehr gut. Er ist ein absoluter Nerd, was den Weinbau angeht und liebt seine Arbeit. Es macht Spass, mit ihm zu arbeiten.
Mein Vater ist pensioniert und ich fange gerade erst an – das Energielevel ist ein anderes.
Inwiefern unterscheidest du dich bei der Arbeit als Winzerin von deinem Vater? Was machst du anders als Raimon?
Die Priorat-Weine auf Encastell tragen ganz klar die Handschrift meines Vaters und meiner Mutter. Und das möchte ich auch so beibehalten, weil ich sehr respektiere und schätze, was sie alles aufgebaut haben. Da will ich nichts ändern. Die Weine gefallen mir und ich kann mich gut damit identifizieren.
Im Montsant hingegen arbeite ich anders. Dort ist die Weinstilistik leichter, frischer, mediterraner – auch, um ein jüngeres Publikum abzuholen.
Was ist die Spezialität von Cal Bessó? Oder anders gefragt: Was macht euch einzigartig?
Wir machen biologische Weine von hoher Qualität. Unser Angebot ist breit: wir produzieren vom Schaum- bis zum Rotwein – da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Zudem sind wir ein Familienweingut, was uns ebenfalls abhebt. Denn das gibt es leider immer weniger im Priorat und im Montsant. Die Tendenz geht vermehrt zu Investoren-Weingütern.
Was ist deine Lieblingsbeschäftigung in deinem vielseitigen Beruf?
Die Ernte ist ganz klar mein Highlight. Aber es gibt ganz viele Facetten, die mir am Winzerin-Sein gefallen.
Mein Job ist extrem abwechslungsreich, es wird mir nie langweilig.
Und welche Arbeit magst du am wenigsten?
E-Mails beantworten. Ruft mich also lieber an, wenn ihr etwas braucht.
Und was machst du, wenn du keinen Wein machst?
Aktuell bauen wir das Haus von Cal Bessó um. Dazu kommen der Garten und die Bäume, die viel Zeit beanspruchen. Alles auch eine Art von Arbeit, aber es macht viel Spass. Ansonsten lese ich gerne Bücher, treffe Freunde und verbringe gerne Zeit am Strand und Meer.





