Winzergespräch Nr. 2 mit José Luis Ruiz

23. Mai 2018

Winzergespräch Nr. 2 mit José Luis Ruiz

Er ist Oenologe bei einem der renommiertesten Weingüter Nordspaniens. Jose Luis Ruiz im Gespräch mit Urs Fischer über seine Arbeit und wie er damit die Art der Weine und die Philosophie des Weinguts (mit)gestaltet.



Otazu ist wohl eines der geschichtsträchtigsten und baulich eindrucksvollsten Weingüter Nordspaniens. Schon seit mehr als 500 Jahren wird in den Gemäuern und in dem einzigartigen Barriquenkeller Wein gekeltert. Heute ist Otazu unter der Leitung von Guillermo Penso und dem Oenologen Jose Luis Ruiz ein Garant für elegante, charaktervolle Weine.

Urs Fischer hat die beiden im März an der ProWein in Düsseldorf getroffen und sich mit dem Oenologen Jose Luis Ruiz unterhalten.

Jose Luis, du bist seit fünf Jahren bei Otazu tätig. Wie hat sich die Philosophie von Otazu mit dir als Weinmacher verändert?

Wir investieren noch mehr Zeit in die Reben und die Weinberge. Für uns ist der Weinberg die Quelle all unserer Weine, von dort kommt schlussendlich die ganze Qualität. Dazu wollen wir noch verstärkter Sorge tragen. Der Kunde und die Kundin sollen die wunderbare Landschaft und die Natur im fertigen Wein spüren.

Und wie hat sich die Vinifikation mit dir als Weinmacher verändert?

Wie bereits erwähnt haben wir viel in unsere Weinberge investiert. Beispielsweise haben wir die Parzellen komplett neu eingeteilt. Dazu haben wir Bodenproben genommen und genau geschaut, welche Weinsorte sich auf welchen Böden am wohlsten fühlt. Die anfänglich 27 Parzellen haben wir neu strukturiert. Heute verfügen wir über 66 Parzellen. Das ermöglicht uns eine feinere und bessere Varietät. Nebst diesen grossen Veränderungen haben wir auch im Keller diverse Umstellungen vorgenommen. Zum einen ist die Selektion der Trauben viel strenger, wir verwenden nur noch die besten Trauben für unsere Weine. Dafür haben wir auch neue Maschinen, welche die schlechten Weintrauben besser erkennen und aussortieren. Im Moment sind wir gerade dabei, die Dauer der Fermentation zu ändern. Dabei soll die Gärung im Allgemeinen länger und bei kühleren Temperaturen erfolgen. Das verleiht unseren Weinen mehr Frucht, Komplexität und macht sie allgemein runder und eleganter.

Zum anderen haben wir den Einsatz der Holzfässer für die Lagerung und Reifung umgestellt. Früher haben wir alle Fässer bei einem einzigen Küfer bezogen. Heute beliefern uns sechs Küfereien mit Fässern. Jeder Küfer stellt für uns drei bis vier verschiedene Fassarten her. So haben wir für jeden Weintyp und jedes Jahr das optimale Fass. Jährlich schauen wir aufs Neue, welches Fass wir bei welcher Weinsorte einsetzen, damit der Wein perfekt wird. Je nach Jahrgang und Typ sind unterschiedliche Holzarten mit unterschiedlichen Röstgraden im Einsatz.

Was ist der Hauptgedanke/das Hauptziel dieser Veränderungen?

Wir möchten einfach bei jedem Arbeitsschritt noch mehr ins Detail gehen, denn im Detail liegt die Perfektion. Das reicht von jeder einzelnen Parzelle im Weinberg, über die ideale Fermentation jedes Weintypen bis hin zur idealen Kombination von Wein und Barrique. Und vor allem wird jedes Jahr alles aufs Neue analysiert und dort wo es sinnvoll ist, werden Anpassungen vorgenommen. Nur so können wir aus allem das Bestmögliche herausholen.

Diese Art von Arbeiten ist grossartig. Denn wenn du damit beginnst, alles im Detail anzuschauen, dann findest du überall – im Rebberg, im Keller, beim Degustieren der neuen Jahrgänge – Kleinigkeiten, bei denen du einfach nur denkst «wow!».

Mit dieser Arbeitsweise entstehen aktuell Weine, die in rund zwei Jahren auf den Markt kommen werden. Und bei diesen Weinen werden die Umstellung und die Liebe zum Detail wunderbar zu spüren sein.

Die Weine
Die Weine der Bodegas Otazu finden Sie in unserem Webshop oder in Fischers WEINLADEN.

Winzergespräch

Urs Fischer im Gespräch mit Winzern. In einer losen Reihe stellen wir Ihnen in Form von Kurzinterviews Winzerinnen und Winzer aus dem In- und Ausland vor