Winzergespräch Nr. 3 mit Josef und Sepp Dockner

19. Oktober 2018

Winzergespräch Nr. 3 mit Josef und Sepp Dockner

Josef und Sepp Dockner im Gespräch mit Urs Fischer über ihre neusten Weine, die Organisation eines Zwei-Generationen-Betriebs und ihre Pläne für die Zukunft.



Der Winzerhof Dockner in der Nähe von Krems ist ein Familienbetrieb wie man/frau sich ihn vorstellt: Vater Sepp und Sohn Josef führen das Weingut als Doppelspitze, die beiden Frauen Gudrun und Petra helfen tatkräftig mit und auch die Schwester von Josef – Barbara – ist inzwischen Vollzeit im Betrieb tätig. Ein Winzerhof, der sich in den letzten dreissig Jahren sehr erfolgreich weiterentwickelt hat und auch in Zukunft noch für viel Abwechslung sorgen wird.

Urs Fischer hat mit Josef und Sepp Dockner über ihre Arbeit, die Entwicklungen in der österreichischen Weinwelt und ihre Pläne für die Zukunft gesprochen.

Letztes Jahr habt ihr mit «Joe weiss» und «Joe rot» eine neue Produktelinie auf dem Markt lanciert. Was hat euch dazu bewogen und wie ist der Name «Joe» entstanden?

Josef: «Joe weiss» und «Joe rot» sind den beiden Hauptsorten unseres Betriebes gewidmet – dem Grünen Veltliner und dem Zweigelt. Unser Ziel war es, zwei harmonische, milde und trinkanimierende Weine zu schaffen. Wir verwenden Traubenselektionen aus den besten Rieden unserer Grosslage Göttweiger Berg, wodurch die «Joe»-Weine einen guten Querschnitt unserer Rebberge wiedergeben. Der Name ist von meinem Spitznamen «Joe» abgeleitet. Zudem ist er kurz und prägnant und lässt sich leicht merken.

Könnt ihr uns euer Weingut kurz vorstellen?

Sepp
: Wir bewirtschaften derzeit 80 Hektar eigene Rebfläche und haben noch weitere 70 Hektar unter Vertrag. Die gesamten 150 Hektaren befinden sich im südlichen Kremstal rund um das Stift Göttweig in der Grosslage Göttweiger Berg. Durch die besonderen Klimavoraussetzungen (pannonische Einflüsse aus dem Osten, milder Westwind durch die Donau und kühle Nächte aus dem Waldviertel) gedeihen hier sowohl besonders fruchtige und aromatische Weissweine, als auch elegante und feinstrukturierte Rotweine. Wir sind ein Familienbetrieb mit 20 Mitarbeitenden. Auf dem Weingut werden nicht nur die gebietstypischen Kremstal DAC-Weine Grüner Veltliner und Riesling produziert, sondern auch prämierte Rotweine (wie beispielsweise unsere Cuvée SACRA), verschiedene Süssweine und zwei hochwertige Winzersekte mit traditioneller Flaschengärmethode. Die jährliche Produktionsmenge beträgt rund 1 Mio. Flaschen.

Sepp, du hast den Betrieb vor 35 Jahren von deinem Vater übernommen. Was hat sich seither in der (österreichischen) Weinwelt verändert? Was sind heute die grössten Herausforderungen?

Sepp: Es ist gigantisch, was sich in den letzten 30 Jahren in der österreichischen Weinwelt getan hat. Die Dichte an hochqualitativen Weinen ist enorm. Die junge Winzergeneration ist sehr motiviert und engagiert. Vor allem der Grüne Veltliner hat sich zum Exportschlager entwickelt. Durch ehrlichen Interessensaustausch und gesunden Ehrgeiz sind Jahr für Jahr Höchstleitungen möglich. Es macht sehr viel Freude bei dieser Entwicklung dabei zu sein.

Ihr beide arbeitet seit 16 Jahren sehr erfolgreich als Zwei-Generationen-Betrieb. Wie läuft das? Was sind die Vorteile? Und was ist das Rezept für eure erfolgreiche Zusammenarbeit?

Josef: Jeder hat seine Aufgabengebiete. Sepp kümmert sich um die Weingärten, ich um die Kellerei. Dazu haben wir beide sehr tüchtige Frauen die hinter uns stehen. Gudrun kümmert sich um den Heurigen und die Bewirtung der Gäste. Meine Frau Petra um den Ab-Hof-Verkauf und das Büro. Babsi, meine jüngere Schwester, ist seit einem Jahr auch voll dabei und organsiert die vielen Veranstaltungen und Events. Es macht viel Freude, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Die vielen Vorteile dieser generationsübergreifenden Zusammenarbeit nutzen wir gerne.

 

Die ganze Familie (v.l.n.r.): Petra und Josef Dockner, Barbara Dockner, Gudrun und Josef Dockner mit den Grosskindern Josef und Johannes sowie Katrin Dockner mit ihrer Tochter Sarah.

Der Winzerhof Dockner hat sich in den letzten Jahrzehnten laufen weiterentwickelt und ist gewachsen: Zukäufe von Rieden, Weiterentwicklung des Weinsortiments, euer modernes Weinverkostungszentrums, Eröffnung der Sektmanufaktur, Etablierung eures Heurigen usw. Wo seht ihr euch in 10 Jahren?

Josef und Sepp: Wir wollen den Betrieb mittlerweile nicht mehr vergrössern, sondern nur noch verbessern. Es gibt Jahr für Jahr wieder neue Ideen, um gewisse Arbeitsabläufe noch effizienter und qualitativ besser abzuwickeln. Eine grosse Herausforderung wird sicher auch der Klimawandel und die dadurch resultierende Änderung der Weinstilistik. Wir selbst sind sehr bemüht, ressourcenschonend und nachhaltig zu arbeiten und wollen so unseren Beitrag für eine bessere Umwelt leisten. Ein grosses Ziel ist sicher auch, die junge Generation (Josef und Johannes, die Kinder von Josef) für den Weinbau zu begeistern, damit sie in weiterer Zukunft den eingeschlagenen Weg weitergehen.

 

Die Weine
Die Weine des Winzerhofs Dockner finden Sie in unserem Webshop oder in Fischers WEINLADEN.

Winzergespräch

Urs Fischer im Gespräch mit Winzern. In einer losen Reihe stellen wir Ihnen in Form von Kurzinterviews Winzerinnen und Winzer aus dem In- und Ausland vor.